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Selbstvertrauen/Selbstregulation vs Angst/Stress – manchmal ist man nur eine Entscheidung von einem neuen Weg entfernt

Führt Angst zu Stress oder umgekehrt ist individuell unterschiedlich. In beiden Fällen wird die Selbstregulation und das Selbstvertrauen beeinträchtigt. Fakt ist, Angst oder Stress gehören heute zu den häufigsten Erkrankungen unserer Gesellschaft und bilden unter anderem die Grundlage für weitere physische oder psychische Krankheiten. In der Praxis zeigen sich beide Formen – körperlich (Herzrasen, Atemnot, Schwindel, starke Verspannungen, Schlafstörungen usw.) und/oder emotional (Prüfungs-/Platzangst, Angst vor Krankheiten, Panikattacken, Depressionen, Burnout usw.). Die gesamte Thematik ist sehr umfangreich und es gibt viele Ansätze sowohl komplementär wie auch schulmedizinisch. Anhand des Beispiels «Angst» gehen wir kurz auf einige Aspekte ein:

Angst ist ein natürliches Gefühl und für unser Überleben notwendig. Ängste treten regelmässig auf, wenn man sich auf Neues einlässt und stimulieren das Nervensystem zu Höchstleistungen. Beispielsweise zu erhöhter Konzentration bei einem Neubeginn im Job/Schule.

Angst versetzt uns in einen Alarmzustand und dies innert Millisekunden. Blitzschnell werden viele Reize ausgeschalten und eine Reaktion in Gang gesetzt. In einer Akutsituation – zum Beispiel wenn ein Auto auf uns zu rast – werden sofort Adrenalin und Noradrenalin (Nervenbotenstoffe/Neurotransmitter) in erhöhter Form ausgeschüttet, welche erregend auf den Sympathikus (Teil des vegetativen Nervensystems) wirken. Die Herztätigkeit wird beschleunigt, der Blutdruck erhöht, Glukose wird freigesetzt, die Muskulatur stärker durchblutet, Denkvorgänge unterdrückt -> wir haben kurzfristig mehr Energie und können schneller reagieren. Ohne Angst würde uns dieser Regelmechanismus nicht zur Verfügung stehen.

Manchmal werden Ängste auch aus gespeicherten Erinnerungen/Erfahrungen abgerufen. Beispiel: Bei einem Waldspaziergang in der Dämmerung erschrecken wir, weil uns ein Schatten wie ein grosses Tier vorkommt. Wir erstarren, das Herz rast, wir denken über Flucht nach. Bei genauerer Betrachtung erkennen wir dann, dass es sich in Wirklichkeit um einen Busch handelt. Wir beruhigen uns, während uns unser Verstand eine Erklärung für die Situation liefert.

Grundlegend besitzen wir die Fähigkeit, emotional bereits in Gang gesetzte Programme zu „bremsen“. Hier bietet uns das Bewusstsein Alternativen, zu den im „Emotionshirn“ bereits fertig entworfenen und durch Aussenreize abrufbaren Programmen, an. Nur ist es oft schwer, emotional in Gang gekommene Prozesse (Impulse) zu hemmen. Dies liegt daran, dass weitaus mehr Nervenverbindungen Informationen von den Emotionszentren zu den Verstandeszentren leiten als umgekehrt.

Das emotionale Gedächtnis lässt sich durch Worte oftmals nicht schnell genug beeinflussen. Wirksamer sind neue (korrigierende) emotionale Erfahrungen, die eine „Neuverdrahtung“ der Nervenzellen im Gehirn fördern und dadurch die Reaktion bei ähnlichen Reizen schwächen.

Angstbetroffene neigen jedoch vielfach zum Vermeiden von angstbesetzten Situationen, was ihnen kurzfristig Erleichterung verschafft. Langfristig jedoch wird das Lebensumfeld immer kleiner bis zum Extremfall.

Oft werden Ängste lange Zeit nicht richtig erkannt, da diese immer mit körperlichen Symptomen einhergehen (Schweissausbruch, Zittern, erhöhter Puls/Herztätigkeit, Muskelverspannungen usw.). Betroffene lassen sich mitunter nur körperlich behandeln. Selbst wenn sie auf mögliche Angstsymptome angesprochen werden, wird dies zu Beginn oft verworfen.

Fünf Minuten Angst/Stress/Ärger wirken 6 Stunden schwächend auf das Immunsystem. Zeit die der Körper zum Ausgleich und Selbstregulation braucht. Gerät die Angst ausser Kontrolle (langanhaltende Überreaktion) entsteht eine Regulationsstörung und somit Symptome.

In der Therapie/Praxis ist es daher notwendig eventuelle Zusammenhänge zu erkennen, um nicht an der Folge, sondern an der Ursache ansetzen zu können und den Fokus auf die Selbstregulation zu legen.

Was können Sie tun?

Stress anerkennen: Wir stehen alle irgendwo unter Druck. Wichtig ist es sich dessen bewusst zu werden und die ersten Anzeichen eines Ungleichgewichts nicht zu ignorieren. Je früher eine Anspannung erkannt wird, desto leichter ist es diese anzugehen.

Gedanken/Körper beobachten: Unser Intellekt ist ein kontinuierlicher Strom von Ideen, der seine üblichen Wege geht. Wir können lernen diese zu lenken. Beobachten Sie wann spannungsauslösende Gedanken einsetzen und wie Ihr Körper reagiert. Beissen Sie die Zähne zusammen? Atmen Sie gepresster? Versuchen Sie die Gedanken/Ängste bewusst zu beeinflussen und achten Sie auf körperliche Erleichterungen.

Persönliche Grenzen setzen: Durch vernetzte Objekte leben wir in einem Kult schlechter Nachrichten. Passen Sie Ihre persönlichen Grenzen an.

Pause einlegen: Lassen Sie sich nicht mitreissen, wenn die Spannung steigt. Atmen Sie tief durch und stabilisieren Sie Ihre Gefühle.

Hier eine effektive Übung zum Ausprobieren.

Angst als Bodyguard vorstellen: Ein Bodyguard schützt uns. Treten Sie mit ihrem persönlichen Beschützer in ein Gespräch. Zum Beispiel bei aufkommender Atemnot im Einkaufszentrum/Lift. Ihr «Angst-Bodyguard» warnt Sie vor Enge. Bleiben Sie beispielsweise in einer Höhle stecken kann dies bis zum Ersticken führen. Hingegen wird die Enge im Einkaufszentrum oder Lift kaum dazu führen, da die Möglichkeit besteht den Raum schnell zu verlassen.

Beim «inneren Gespräch» geht es in erster Linie darum die Situation bewusst wahrzunehmen, die Reaktion darauf zu relativieren und abzuschätzen, ob diese gerechtfertigt ist oder nicht.

Wir laden Sie dazu ein:

  • Ihrem „Angst-Bodyguard“ dankbar zu sein für die Fähigkeit Sie blitzschnell zu schützen und mit ihm zusammen ein Training oder Gespräch zu starten.
  • Stellen Sie sich, bei Situationen die eine Reaktion auslösen, die Frage: «Gibt es eine reale Bedrohung, die meiner körperlichen oder geistigen Integrität gerade jetzt schaden könnte?» Im Allgemeinen ist die Antwort: Nein!
  • Versuchen Sie bei angstbesetzten Situationen einen Richtungswechsel vorzunehmen und dadurch neue Erfahrungen zu machen.

 

Manchmal ist man nur eine Entscheidung von einem neuen Umgang entfernt.  Entscheiden Sie sich für Ihr Selbstvertrauen.

Der Alltag ist eine Abfolge von Erfahrungen. Einige sind gut andere weniger, aber alle sind positiv, da sie immer eine Quelle der Weiterentwicklung sind.

Gerne unterstützen wir Sie auf Ihrem Weg mit den uns zur Verfügung stehenden Therapieansätzen. Erkundigen Sie sich hierfür auf unserer Homepage:   www.cso-praxis.ch